Wenn mein Pferd Nein sagt: Drei Tage auf der Koppel

Seit ein paar Monaten mache ich mit meiner Stute Tiffany ein Training, das unsere Verbindung stärken soll. Ich filme unsere Einheiten, und wir besprechen sie online. Ehrlich gesagt hatte ich schon länger das Gefühl, dass dieser Weg für uns beide nur eine Station ist.

Dann kam der Tag, an dem Tiffany nicht mehr wollte.

Ich kam auf die Koppel, um sie zum Training abzuholen, und sie zeigte mir ohne Umschweife, dass sie etwas anderes vorhatte. Ich hatte einen Termin im Kopf und ein Video, das bis dahin fertig sein sollte. Ich hätte ihr trotzdem das Halfter anziehen und sie mitnehmen können. Aber es fühlte sich falsch an.

Also nahm ich ihr Nein an und setzte mich zu ihr auf die Koppel.

Der erste Tag

Ich saß da, sah den Pferden zu und merkte, wie viel ich noch mitgebracht hatte. Die Arbeit, die letzten Tage, alles, was noch in meinem Kopf lärmte. Ich konnte kaum entspannt den Pferden zusehen, bin in kurzen Abständen immer wieder an mein Handy gegangen, um dies und das noch kurz zu erledigen.

Der zweite Tag

Ich wurde still genug, um den Druck zu bemerken, den ich mir selbst machte. Der Termin, das Video, das, was ich liefern wollte. Und mir fiel etwas auf, das ich nicht gern gesehen habe: Das Klickern fühlte sich für mich weniger wie ein Miteinander an als wie ein Durchsetzen meines Willens.

Der dritte Tag

Am dritten Tag habe ich aufgehört, etwas von diesem Tag zu wollen. Ich bin einfach zu den Pferden gegangen, ein paar Schritte mit ihnen, dann an einen eigenen Platz, etwas abseits und doch bei ihnen. Ich war Teil der Herde. Ich habe gehört, wie sich am Hof Menschen unterhalten haben, und den Stall von nebenan gerochen, als sich der Wind drehte. Ich kam an, im Hier und Jetzt.

Und dann kam Tiffany zu mir. Sie kam viel mehr auf mich zu als in den Tagen davor. Vielleicht nicht, weil ich etwas getan hätte, sondern weil ich aufgehört hatte, etwas zu wollen.

Seitdem weiß ich genauer, was ich möchte: ein echtes Miteinander mit ihr und den Pferden. Ohne dass ich ausschließlich meine Vorstellung durchsetze und ohne Ziele, die erreicht werden müssen. Ins Gelände möchte ich trotzdem mit ihr gehen können, und dafür haben wir beide noch einiges zu lernen. Aber ich möchte es mit Zuhören, Beobachten und gemeinsamem Verstehen lernen, statt ihr nur meine Sicht beizubringen.